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Beim Arzt
Da ist er wieder. Der Tag an dem man mal wieder zum Blutabnehmen muss. Man hört Wochen vorher auf zu Rauchen, geht zum vereinbarten Termin zum Arzt, natürlich isst man nichts, weil dass ja verfälschen könnte, dass man einen viel zu hohen Cholesterinspiegel hat und dass man auch ein wenig Abnehmen könnte. Man kommt also Pünktlich beim Arzt an und stellt sich an die Rezeption. Das erste was man von einer eindeutig zu dicken und mit Pickeln übersäten 14 jährigen zu hören bekommt ist: ?Tut mir leid, ich kann ihnen nicht helfen, ich bin nur Praktikantin, aber ich hol mal eine Schwester.? OK! Vielleicht hätte sie ihr Praktikum bei einem Visagisten machen sollen. Oder im Fitness Studio. Egal. Man wartet 1 min., 2 min., 5 min. . Dann kommt eine Hauptschulabsolventin auf einen zu und begrüßt einen mit ihrer sympathischen Stimme: ?Versicherungskarte dabei??!
?Ähm, ich war letzte Woche schon hier!?
?Nein, waren sie nicht!?
?Doch war ich! Da hab ich diesen Termin abgemacht!?
?Ich hab aber nichts im Computer stehen!?
?Da kann ich doch nichts für!?
?Also ham sie die Karte oder nicht??
?Ja, glaub schon?
Man holt also das Portmonee hervor und durchsucht alle Fächer. Man räumt sämtliche Fächer leer, um die Karte in dem Fach zu finden, von dem man sich gedacht hat, da kann die Karte gar nicht drin sein, weil man dieses Fach niemals benutzt! Während die nette Schwester die Karte durch diesen seltsamen Schlitz zieht und irgendwas von ?Scheißleben? murmelt, stopft man den Inhalt seines Portmonees in alle möglichen Fächer zurück.
?Ihre Karte!? mit diesen Worten reißt die Schönheit einen aus seiner Beschäftigung und man antwortet mit einem ein wenig geistesabwesenden
?Hä??
?IHRE KARTE!?
?Ach so!?
?Warten sie bitte kurz im Wartezimmer!?
Man steckt die Karte in ein Fach, welches man sonnst nie benutzt, damit man sie beim nächsten mal auf jeden Fall findet, öffnet die Tür zum Wartezimmer und schaut in die Runde!
Außer einer Mutter und ihrem Kind nur alte Menschen, die sich über ihre toten Freunde unterhalten in diesem Wartezimmer!
Aber da, zwischen der alten Dame und dem Aquarium, ein freier Platz!
Scheiße, die Alte mit der Gehhilfe hat?s auch gesehen!
Jetzt aber schnell!
Man schnappt sich noch schnell den Stern vom letzten Monat und schmeißt sich auf den Stuhl.
Zu langsam Alte! Ich war schneller! Kannst dich ja auf deine Gehhilfe setzen!
Man schlägt den Stern vom letzten Monat auf!
Aha!
Die Ersten Seiten schienen Interessant zu sein!
SO INTERESSANT, DAS IRGENDJEMAND SIE UNBEDINGT MIT NACH HAUSE NEHMEN MUSSTE!
Die Mitte auch! Und auch das Ende!
Bleiben noch die Kreuzworträtsel!
Auch nicht! Sch****!
Eine neue Zeitschrift kann man sich auch nicht holen, weil die Alte mit der Gehhilfe immer noch auf den Stuhl starrt! Egal! Man ist ja eh gleich dran!
...
?Soo, jetzt müsste es eigentlich bald soweit sein. Gleeiich. Aha, der Opa war wohl doch vor mir! So, nach der Oma bin aber ich.., ne doch nicht! Nach der aber bestimmt! Auch nicht!?
Man fängt an zu Überlegen, wozu Termine eigentlich gut sind!
Egal, eine neue Zeitschrift muss her! Ah, die ?Sport Bild?! Sehr gut!
Wie jetzt Deutschland ist Fußballeuropameister? Auch nicht ganz frisch! Egal! Dann halt die ?Gala?. Komischerweise ist die quasi Druckfrisch! Warum? Na, ja! Jetzt weiß man wenigstens, wer als nächstes seine Biographie schreibt.
Plötzlich durchbricht etwas die heilige Ruhe des Wartezimmers. Dem Kind wurde es mittlerweile zuviel und es brüllt nach etwas Spielzeug! Die Tür geht wieder auf und die Schwester fragt genervt, ob jemand was dagegen hätte, wenn man die Mutter mit ihrem Kind als nächstes drannehmen würde! Da die meisten zu gebrechlich sind um ihren Arm zu heben, wird man mit einer Stimme überstimmt, und die Mutter darf mit ihrem Kind zum Arzt!
?Das kann ich auch? denkt man sich und beginnt zu Heulen!
Aber es kommt keine Schwester die diesen Rentnerverein auf Valium fragt, ob man nicht als nächstes zum Arzt könnte! NEIN! Die liebe Oma die neben einem sitzt fragt, ob man Liebeskummer hat! Selbst wenn es so wäre, ALS OB SIE MIR HELFEN KÖNNTE! Man weist sie ruhig, aber bestimmt zurück: ?Ne, mir ist nur was ins Auge geflogen!?
Aber die Alte hört nicht auf und labert weiter! Einfach ignorieren! Man fragt sich ob alle die hier sind auch einen Termin hatten als sie so Alt waren wie man selbst!
Wieder geht die Tür auf und man hört seinen eigenen Namen! ENDLICH! DANKE GOTT IM HIMMEL!
Man wird in einen Behandlungsraum gebracht, in dem man nochmal ?ein wenig? warten soll! Man fängt an die seltsamen Zungenrunterdrückerdingsis aus Holz zu zählen. Dann kommt der Arzt! Er sagt Guten Tag, schaut in die ominösen Akten die man selbst nie zu Gesicht bekommt, schreit: ?Schwester, einmal Blutabnahme!? und geht.
DAS WAR?S SCHON???
Die Schwester kommt rein. Ihrer Statur nach zu Urteilen heißt sie Brunhilde und hat in ihren jüngeren Jahren beim Bärenringerteam der DDR aktiv mitgewirkt.
?Ärmel hoch!? seuselt sie ebendso freundlich wie ihr Antlitz es vermuten lässt.
Man krempelt den Ärmel hoch und kriegt eine Schlinge um den Oberarm gelegt und zugezogen.
?Schwester, ist das normal, dass der Arm in regelmäßigen Abständen die Farben wechselt??
?Woll?n sie mir vorschreiben wie ich meinen Job zu Tun hab??
Sie rubbelt mit einem streng riechendem Wattebausch über den Arm und führt eine Nadel in die Fingerdick angeschwollene Vene. ...und sticht durch!
?Mist! Das müssen wir nochmal machen!?
Sie zieht die Nadel raus und sticht nochmal hinein. Diesmal hat es geklappt und Brunhilde grunzt zufrieden.
Eine Tube, Zwei Tuben, Drei Tuben...
Woll?n die einen leersaugen und an die Organspendemafia verkaufen???
... vier Tuben, ?so, dass war?s schon. Jetzt kriegen sie noch ein Pflaster und dann kommen sie bitte heute Abend wieder. Dann müssten die Ergebnisse da sein.?
Heute Abend wiederkommen? Man bleibt einfach noch da! Auf die paar Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an. Mittlerweile hat man solchen Hunger, dass man sich sicher ist, von Äthiopischen Kindern lediglich durch die Hautfarbe unterschieden werden zu können.
Mehrere Stunden später wird man ein weiteres mal zum Arzt gerufen.
?Ihr Cholesterinspiegel ist zu hoch! Sie sollten weniger Fett essen und mehr Sport treiben! Vielleicht mal Vegetarisch ernähren!? sagt dieser, überreicht mir einen extrem feuchten Handdruck und geht wieder.
Welch eine Erkenntnis! Ein wenig verstört verlässt man die Praxis. Nicht ohne sich von Brunhilde zu verabschieden, die mittlerweile mit einem Übergewichtigen 10 jährigen ihre Karriere nachzuspielen scheint. Doch mit dem Alter schien sie nachgelassen zu haben, denn sie hat einige Probleme damit, den kleinen Fettsack ruhig zu halten.
Man findet sich beim Dönermann um die Ecke wieder mit einem riesengroßen Teller Dönerfleisch wieder, den man gierig in sich hineinschlingt und sich versucht zu überzeugen, dass das alles gar nicht so schlimm war!
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