Die Lesenacht, der erste Teil
Lesezeit!- Eine Schulanfängerin berichtet
Es ist Freitagnachmittag, und ich bereite mich darauf vor, eine Nacht mit kleinen Rotznasen zu verbringen, die noch nicht mal bis zehn zählen können.
Vati schleppt gerade die drei Koffer die Treppe runter und wirft meiner Mami einen vorwurfsvollen Blick zu. Ich hoffe nur, er hat nicht vor, ihn ?aus Versehen? auf dem Zeh meiner Mutter abzustellen, denn ich schätze Gewalt als Lösung von Problemen gar nicht.
Mami murmelt nur entschuldigend: ?Ich hab ihr nur eingepackt, was sie auch wirklich braucht! Man weiß nie, was auf die Kleine so zukommt.?
Ich weiß nicht wieso, aber ich bezweifle doch stark, dass ich ein Fieberthermometer und Damenbinden brauchen werde.
Der Moment des Abschieds ist gekommen. Ich versuche, nicht allzu glücklich auszusehen.
Meine Mutter sieht aus als würde sie gleich anfangen zu weinen. Ich bemühe mich, mein Lachen zu unterdrücken.
Mutter(zu Vater): ?Sieht sie nicht schon erwachsen aus? Und dieser Blick man meint, sie wüsste etwas, was wir nicht wissen! Nicht wahr, Horst??
Vater: ? Ähmm?ja.?
Mutter (verträumt): ? Bald wird sie sich gegen den geborgenen Schoß der Mutterliebe wehren und eigene Wege einschlagen. Sie wird auf eigenen Füßen die Welt entdecken und eigene Pläne, Ideen und Gedanken entwickeln.?
Du weißt aber schon, Mama, dass ich bereits laufen und denken kann?
Mutter: ? Du musst jetzt stark sein, und du darfst nicht weinen, Liebling, sonst lachen die anderen Kinder! Ich weiß du wirst deine Mami vermissen, aber ich kann nicht immer bei dir sein.?
Ich kann nicht mehr vor Sehnsucht.
Mutter: ? Ich drück dich jetzt noch mal, und dann sagen wir uns beide tschüssi, und dann geht?s los! Ich bin sicher du wirst viel Spaß haben!
Gewiss.
Mami umarmt mich.
Mami umarmt mich immer noch.
Wie lang will Mami mich noch umarmen?
Mami?
Papi entfernt Mami mit Gewalt. Wir fahren los.
War das jetzt Gewalt in der Familie?
Ich werde die Polizei alarmieren müssen.
Eine Viertelstunde später sind wir da. Papa lädt mich ohne ein Wort zu sagen aus und stellt meine drei Koffer neben mich auf den Bürgersteig. Schweigend steigt er wieder ins Auto und fährt ohne sich zu verabschieden weg.
Ich glaube es hat ihn verletzt, dass ich ihn einen ?unsensiblen, brutalen Macho, der nicht versteht, was in Mami vorgeht? genannt hab. Ich sollte lernen, mich zurückzuhalten.
Nicht jeder hat so einen schwarzen Sinn für Humor wie ich.
Wer trägt mir jetzt meine Koffer ins Klassenzimmer?
Es fängt an zu regnen. Ich fühle mich dramatisch.
Fortsetzung folgt...
Der Teil war jetzt nicht so witzig, aber so langsam gehen mir die ideen aus
