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Die Rache des Lochers
Als ich in die weit geöffneten, grün-gelblichen Augen sah und spürte, dass mein Ende nahe war, fing ich an zu lachen.
Verdammt, wieso lachte ich? Ich konnte es körperlich fühlen, wie dieses moderige, von Haaren übersähte Bist sich überlegte, wie es mich zu einem äußerst delikaten Nachtisch verarbeiten könne, und trotzdem lachte ich. Ich fand diese ganze Situation wahrschelinlich irgendwie absurd, ich meine, gerade eben war ich noch mit der Gurkenschälanlage beschäftigt, plötzlich dreht sich alles, und ich sehe diese zu einem leicht schiefen Grinsen verzogene, vor Sabber triefende und ganz erbärmlich stinkende Fratze vor mir. Der leichte Brechreiz, der mich schüttelte, weil der gallertartige Speichel durch die von der letzten Mahlzeit verklebten Haare der Monstrosität auf mein Gesicht tropfte, machte die ganze Sache auch nicht besser.
Einem Stromstoß gleich durchschoss Schmerz mein geprelltes Bein, den ich allerdings ignorierte und dessen Ursache ich auch nie herausfand.
Jedenfalls lachte ich immernoch, und die schwarze, äußerst bösartige Pupille vor meinem Auge war schon langsam von durchsichtigen Schleimtröpfchen, die meinem Rachen entsprangen, übersäht. Dann allerdings kam das Maul näher, und plötzlich fand ich die ganze Sache überhaupt nicht mehr lustig. Als dann die Zähne meine Haut leicht ritzen und ich von dem bestialischen Gestank fast in die Ohnmacht getrieben wurde, sah ich ein Lich am Ende des Rachens. Eine zur Unkenntlichkeit verzerrte, tiefe Stimme sagte irgendwas, das ich nicht verstand, weil sie ja zur Unkenntlichkeit verzerrt war.
Hinter mir meinte ich meine verstorbene Großtante zu hören, die mir mit ihrer leicht fiepsigen Stimme zu sofortigem Abbruch der Entwicklungsarbieiten riet. Sie war genau so, wie ich sie in Erinnerung hatte, immer zu einem Scherzchen aufgelegt, in den gelassensten Situationen immer noch völlig entspannt und tota nervig, so dass man sie am liebsten in einen zum Fleischwolf umfunktionierten Mülleimer stecken würde. Warum zum Teufel hatte ich nur meine Katze nicht gewaschen? Ich wünschte meine verstorbene Großtante wäre hier, und könnte das jetzt sehen. Ich hatte sie noch so gut in Erinnerung, mit ihrer fiepsigen Stimme, immer zu einem Scherzchen aufgelegt, Bin ich eigentlich nüchtern? Hätte ich mir nicht doch ein Taxi nehmen sollen. Naja, jetzt war es sowieso zu spät. Es gab kein Entkommen mehr.
ALLES SCHEISSE!
VERDAMMT, Verdammt, verdammt, verdammt! Wieso habe ich meine Katze nicht gewaschen. Wieso? Martha, wo bist du, wenn man dich mal braucht? Aber egal. Hauptsache, dass du hier bist. Bist du überhaupt hier? Martha?! MARTHA! Martha, wo bist du? Bist du wieder bei meiner Großtante? Hach, meine Großtante, mit ihrer fiepsigen Stimme immer zu einem Scherzchen aufgelegt. Wie ich sie doch vermisse. Aber das tut nichts zur Sache, ich musste etwas gegen diesen Plattenspieler tun. Ich hätte gleich beim Service anrufen sollen. Wie er mich immer aufregte, er verzerrte die wundervollen, letzten Aufnahmen meiner verstorbenen Großtante immer zu so einer fiepsigen Stimme. Ich hätte sie heiraten sollen, als es noch möglich war.
"Max? MAX!"
Von weit her drang eine Stimme an mein Ohr.
- "Max, was machst du da?"
- "Ich wasche die Katze, sieht man das nicht?"
- "Oh, na dann pass aber auf Martha auf. Sie hatte immer eine solch gelassen Art, selbst in den lautesten Situationen. Ach, wie ich sie vermisse..."
- "Jaja, wir vermissen ihn alle. War schon sehr traurig, diese Geschichte mit dem Mülleimer. Aber hauptsache, man ist gesund, sag ich immer."
- "Ja, wie recht du hast."
- "Ich habe immer Recht"
- "Nein!"
- "Doch!"
- "Nein!"
- "Doch!"
- "Nein!"
- "Doch!"
-"Nein!"
- "Doch!"
- "Neiiiin!"
- "Bleib bei mir."
- "Ich kann nicht mehr!"
- "Flieht, ihr Narren!"
- "Was?"
- "Was?"
- "Hä?"
"Marrrrtha, wo bist du?", warf eine gelassene, fiepsige Stimme ein. Das konnte nur mein Großonkel Heinz sein. Aber...seit wann konnte Heinz mit sich selbst ein Duett singen?
In einer graziösen Drehung warf ich mich auf ihn, und schloss diese bis zu 40 Punkte bringende Figur mit einem Salto Vivalto ab. Im Applaus untergehend, verbeugte ich mich noch einmal und trat auf das Licht zu. Es durchfuhr meinen Körper, wie ein Wind der durch ein Nasenloch ein-, und durch das andere austrat.
Jetzt stand ich also im Licht. Irgendwie hatte ich erwartet, dass jetzt etwas besonders passiert, ich Gott treffe, oder zumindest eine Gefühl der Erleuchtung erfahren würde. Aber es passierte ... nichts! Absolut nichts! Ich stand einfach nur hier, wurde von der grellen Sonne geblendet und dachte an meine Katze. Ich hätte sie doch waschen sollen.
Hey, Taxi! TAAAXI!
Alles hasst mich... Auf dem Boden zerstört sank ich nach unten. Kann mal jemand dieses Licht ausstellen? Und die Katze füttern? Taxi? Taxi! Warum findet man in diesen Mäulern niemals Taxis? Ich muss die Katze füttern. Und die Gurken schälen. Wieso schäle ich eigentlich meine Gurken nicht? Und ... was macht diese Katze hier? Taxi? Ich will hier raus! Martha, wo bist du? Hol mich hier raus! Diese Finsternis macht mich noch wahnsinnig! Maaaaaaaartha!
Munter schälte ich meine Gurken weiter, und bereitete mich auf das Familenfest vor. Jeder würde da sein, Großonkel Heinz, Martha mit ihrer fiepsigen Stimme und meine verstorbene Großtante, die immer so gelassen war. Und Sie können mir glauben, das ist garnicht so schwierig im Dunkeln, wie man denkt. Plötzlich drehte sich alles.
_________________ pwnt
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