Rechte Gefahr: Teeny-Band verharmlost Hitler
(Maja) Wie stellt Ihr Euch die Mitglieder einer Neonazi-Band vor? Harte Jungs mit Glatzen und Springerstiefeln? Von wegen. In Amerika trällern seit neustem zwei 13-jährige Zwillinge Nazisongs ins Mikrofon. Ihr Aussehen: blond, süß, fast schon puppenhaft. Ihre Mission: das Image der Nazi-Szene verändern und vor allem Rassisten-Nachwuchs locken.
Wie zwei Engel sehen sie auf der Bühne aus. Die blonden Zwillingsmädchen Lamb und Lynx Gaede tragen Zahnspange und Smiley-Shirts. Violinen- und Gitarrenklänge begleiten ihre zarten Stimmen. Das junge Publikum der Band "Prussian Blue" ist begeistert. Eigentlich die idealen Kandidatinnen für den Disney-Club-Gesangscontest, doch der Schein trügt.
Konzentriert man sich genauer auf die Texte, erinnern die Mädels an eine Horror-Ausgabe der Olsen-Twins: ?Aryan man awake / How much more will you take / Turn that fear to hate / Aryan man awake?
Zu Deutsch: "Arier erwacht / Wie viel wollt ihr euch noch gefallen lassen / Verwandelt eure Angst in Hass / Arier erwacht"
In dem Song ?Sacrifice? loben sie Rudolf Hess, Hitlers Stellvertreter, als ?einen Mann des Friedens, der nicht aufgab?. Auch ihre T-Shirts sind alles andere als harmlos: Die Happy-Hitler-Smileys tragen Führerbärtchen und gescheitelte Frisur.
Kinder, die softe Folksklänge säuseln ? ein schlechter Scherz? Nein, eher eine Einstiegsdroge für spätere Neonazis, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt. Erich Gliebe, Manager der Plattenfirma Resistance Records und Vorsitzender der rechtsextremen National Alliance (NA), möchte mit den Mädchen Nachwuchs rekrutieren. Das Alter von elf oder zwölf Jahren sei perfekt, um Kinder auf eine ?starke rassistische Persönlichkeit? vorzubereiten, sagt er. Gliebe rechnet fest damit, dass die Fans von "Prussian Blue" später auf härtere Kost umsteigen. Denn solche Bands sind bei seiner Firma ebenfalls unter Vertrag.
Quelle: Giga.de
Edit:
"Prussian Blue" wird von der rechtsextremistischen Organisation National Vanguard gesponsert. Diese will laut dem "Informationsdienst gegen Rechtsextremismus" die Vorherrschaft der Weißen in Amerika durchsetzen, auch unter dem Einsatz von Gewalt. Solche Gruppen gibt es einige in Amerika. Die amerikanischen Neonazis sind in der Regel durch Hass auf Schwarze, Asiaten und Juden gekennzeichnet.
Neonazi-Musik sei laut Heise.de zum einen ein Mittel, um neue Mitglieder anzuziehen und sichere damit das Fortbestehen der Szene. Zum anderen seien speziell in den USA Konzerte oder der Vertrieb von CDs, Kleidung und Accessoires für viele Gruppierungen eine unverzichtbare Einnahmequelle.
Da ist das Internet natürlich eine ideale Vertriebsquelle.
Die Homepage von "Prussian Blue" bietet zahlreiche Fanartikel an. Doch auch die kleine Schwester der singenden Nazi-Mädels mit dem Namen Dresden wird schon als Geldquelle missbraucht. Ein Weblog dokumentiert den Alltag der Kleinen in ihrer rassistischen Familie. Also so eine Art Dokusoap im Osbourne-Stil für Neonazis. "Prussian Blue"-Sängerin Lynx erklärt dem Internetdienst ABCNews freimütig, dass ?die Weißen weiß bleiben? sollen, damit ?unsere Rasse bewahrt wird?.
Menschenrechtsorganisationen sind darüber entsetzt. Ted Shaw, Präsident einer der wichtigsten US-Bürgerrechtsorganisationen, sagte: ?Es bricht mir das Herz, wenn ich höre, was die beiden Mädchen von sich geben.? Die Schuld liege jedoch bei den Eltern. Die Mutter der Mädchen ist ein ehemaliges NA-Mitglied und verkündet stolz, dass sie ihre Töchter selbst unterrichtet habe ? natürlich mit ihrer eigenen Version von geschichtlichen Ereignissen. Vom Vater berichtet sie, dass er das Hakenkreuz als ?Symbol der freien Meinungsäußerung? betrachte und das Kreuz auf seiner Gürtelschnalle als Brandmarke für sein Vieh verwende.
So wollten die Zwillinge ihre Spende für die Opfer von Hurrikan "Katrina" auch nur an weiße Bürger verteilen und stießen damit auf große Widerstände. Die meisten der auserwählten Spender verweigerten die Spende. Da die beiden nur eine handvoll Abnehmer fanden, verprassten sie das übrige Geld. Natürlich in einem Laden, der Heiligenartikel wie Rosenkränze oder Kreuze aus den Südstaaten verkaufte.