eigentlich hatte ich geglaubt, diemal nichts dazu bei zu tragen (aufgrund des themas

), doch dann konnte ich heute nacht nicht schlafen...
es ist vielleicht ein bisschen lang geworden und nicht sehr außergewöhnlich oder so, aber immerhin
In Erinnerungen schwelgend saß ich am Tisch in der Küche hinter der Bar.
Ganz leise tickte die Uhr an der Wand neben mir in die Furcht einflößende Stille, die mich umgab, hinein.
Ich fröstelte, knöpfte meine Jacke noch etwas weiter zu und stand auf, um zu prüfen, ob der der Heizkörper nun endlich warm geworden war. Fehlanzeige.
Schlurfend kehrte ich zu meinem Platz am Küchentisch zurück und begann zum unzähligsten Male, den Papierstoß vor mir mit raschen Blicken zu überfliegen: Meine Tochter hatte ihre Gedanken und Wünsche zu Papier gebracht.
?Ich wünsche mir eine Katze zum 8ten Geburtstag?, las ich auf einem hübsch verzierten Papierbogen, auf den sie auch eine süße schwarze Katze gezeichnet hatte. ?Einen CD-Player, damit ich endlich CDs anstatt Kassetten abspielen kann?, stand auf einem anderen.
Alle diese über Jahre hinweg gesammelten Zettel glichen einander stark, jedoch hob sich ein einziger deutlich von allen anderen ab.
Er stach vor allem durch seine einfache, plumpe Gestaltung hervor. Kalt und unförmig waren die Worte auf das grau-blaue Papier, welches im Gegensatz zu den anderen irgendwie düster wirkte, gekritzelt. ?Mein sehnlichster Wunsch?, las ich halblaut vor mich hin, ?ist es, einmal im Leben nach Paris zu kommen, bevor ich sterbe.?
Ich las den Satz immer und immer wieder, nochmals und nochmals. Bis mich schließlich die Klingel an der Bar aus meinen Gedanken riss.
?Komme schon!?, rief ich etwas mürrisch und setzte mich in Bewegung. Ein junger Mann in Anzug mit Krawatte und einem schwarzen Aktenkoffer in der Hand, hatte den Weg in mein kleines, bescheidenes Lokal gefunden.
?Schönen guten Tag!?, begrüßte ich ihn freundlich, ?Was möchten Sie denn trinken?? Ich lächelte ihn verzweifelt an, in der Hoffnung, er war wirklich nur gekommen um seinen Durst zu stillen. ?Danke, nichts?, lehnte er murmelnd ab, während er seine kritischen Blicke durch mein Lokal segeln ließ. ??Dann vielleicht etwas zu essen??, bot ich ihm weiterhin freundlich aber drängend an. ?Wir haben Toast und hervorragende Sandwiches und -?
?Sind Sie Frau Trenda??, unterbrach er mich und überprüfte den Namen noch einmal anhand der Akte, die er aus seinem seriösen Koffer hervorgeholt hatte.
?Ja, die bin ich?, antwortete ich zaghaft, Böses ahnend. Nervös nahm ich einen nassen Teller von der Ablage und begann, ihn abzutrocknen.
?Ich habe schlechte Neuigkeiten.?
Mich gegen seine Worte sträubend kniff ich meine Augen zusammen und schickte ein Stoßgebet zum Himmel.
Ich war einfach nicht in der richtigen Verfassung, schlechte Neuigkeiten so ohne wieteres aufnehmen zu können?
?Ihr Vermieter hat sie gekündigt. Sowohl ihr Lokal, als auch Ihre Wohnung im ersten Stock.?
Ich schüttelte gelassen den Kopf. ?Nein?, erklärte ich ihm ruhig, ?Da müssen Sie sich irren. Meine Tochter und ich sind ehrliche und angenehme Untermieter, die außerdem regelmäßig zahlen.?
Der Teller wurde langsam warm in meinen Händen. Ich rieb ihn viel zu heftig und schon viel zu lange ? er war längst trocken und glänzte von meinen Polierfähigkeiten.
?Es tut mir sehr leid, Frau Trenda?, fuhr er gespielt mitfühlend fort, ?aber Sie können einfach nicht weiter unter Vertrag genommen werden. Sie nehmen nichts mehr ein, Ihr Lokal macht nur Verluste??
?Was ist mit meinem Nebenjob als Kellnerin bei der Konkurrenz??, wandte ich rasch ein, ?Damit verdiene ich genug, um weiterhin für die monatliche Miete aufkommen zu können??
Ich sah ihn flehend an.
?Es tut mir wirklich leid, Frau Trenda?, sagte er erneut. Ich rieb den Teller weiterhin angestrengt, während ich nachdachte. Vielleicht war es ja der allerletzte Teller, den ich hier trocken rieb.
?Bis wann müssen wir die Wohnung denn geräumt haben??, fragte ich schließlich.
Der junge Mann seufzte und warf nochmals einen kurzen Blick in seine Unterlagen. ?Es tut mir leid, Frau Trenda??, wiederholte er sich. ?
WANN, habe ich gefragt!?, fauchte ich ihn an, da sein falsches Mitgefühl allmählich anfing, mir auf die Nerven zu gehen.
?Morgen schon?, murmelte er kaum hörbar.
Mit einem lauten Klirren fiel der perfekt polierte Teller zu Boden und zersprang in tausend Scherben.
Ich nahm mir nicht einmal die Zeit, leise zu fluchen.
?
Morgen????, wiederholte ich ungläubig, ?Wie stellen Sie sich das denn vor?? Ich kann hier nicht einfach über Nacht ausziehen und als Obdachloser durch die Welt irren! Es ist Winter und meine Tochter ist krank?, schilderte ich ihm verzweifelt und salzige Tränen stiegen mir in die Augen.
?Es tut mir so leid?, versuchte er mich wieder zu trösten. Doch dafür hätte er schon wirkungsvollere Worte gebraucht.
?Verschwinden Sie!?, schrie ich wütend, ?Verschwinden sie auf der Stelle aus meinem Lokal!!?
Wortlos stand er auf, nickte mir kaum merklich zu und verließ schnellen Schrittes ?samt Aktenkoffer in der rechten Hand- das Gebäude. Am Liebsten hätte ich ihm meinen Teller hinterher geworfen, um meiner Wut Ausdruck zu machen, doch leider lag dieser kaputt zu meinen Füßen.
?Verdammt!?, begann ich jetzt doch zu fluchen und trat wutentbrannt gegen den Tresen.
Als ich mich wieder halbwegs beruhigt hatte, überlegte ich scharf, was ich nun tun sollte. Wo sollten meine Tochter und ich denn jetzt hin? Wir hatten kein Geld, um uns für einige Zeit ein Hotel leisten zu können. Meine Eltern und ich lebten im Krieg miteinander ? ich wusste nicht einmal, wo sie derzeit ihren Wohnsitz hatten.
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und fühlte mich plötzlich sehr einsam. Die Kälte stieg in mir auf und ich begann zu zittern.
Auch wenn ich den Gedanken bis dahin erfolgreich versucht hatte, zu verdrängen, machte er sich jetzt dennoch unaufhaltsam in meinem Kopf breit: Der Gedanke an den einzig möglichen Ausweg.
?Julia??, rief ich schon von der Treppe aus, als ich auf dem Weg nach oben war. ?Wo bist du, Süße??
Vor ihrem Zimmer angekommen, öffnete ich vorsichtig die Tür. Ich fand meine Tochter lesend am Schreibtisch sitzend vor, in mehrere Decken gewickelt und mit Kopfhörern im Ohr.
Ich betrachtete sie einen Moment lang, und fragte mich, ob das, was ich vorhatte, wirklich richtig war. Doch was auch immer mein Gewissen mir einreden wollte ? so wusste mein rationaler Verstand doch, dass ich keine andere Wahl hatte.
I had no options left again, dachte ich noch, bevor ich auf sie zuging und ihr behutsam auf die Schulter tippte. Sie drehte sich um und nahm die Hörer ab. ?Oh, hallo Mum. Hab dich gar nicht kommen hören?Die Musik, weißt du? ?Und dieses spannende Buch! Das ist echt gut. Es handelt von einer junge Frau, die -?
?Pack deine Sachen zusammen?, unterbrach ich sie.
?Was??, fragte sie verwirrt und aus dem Konzept gebracht.
?Ich sagte, du sollst deine Sachen packen.
Wir fahren nach Paris.?