Kennt ihr das auch?
Man wacht morgens auf und der erste Gedanke ist "ich wünscht ich wär tot"
Ich habe morgens (vor allem wenn ich Schule habe) immer enorme Schwierigkeiten aus dem Bett zu kommen. Gehts euch auch so?
Erzählt doch mal wie es bei euch morgens so abläuft.
Naja mit einer ordentlichen Portion Selbstironie lässt sich alles ertragen
__________________-
Mein Schultag (zumindest der Anfang davon, falls es euch interessiert *g*)
03:30 morgens in Deutschland:
Ein enervierender, schriller Summton schleicht sich ungebeten in meine
Träume. Ich ignoriere ihn, frage mich beiläufig in einer Art
Dämmerzustand, was ich wieder für einen Scheiß träume und gleite
wieder in tiefere Sphären.
Nach einiger Zeit gesellt sich dem Summton ein penetrantes Klopfen
hinzu.
Langsam öffne ich die bleischweren wie mit Pattex verklebten Augenlider.
Dem wilden Stakkato an der Tür folgt die gefrustete Stimme meiner
Mutter.
?TINAAAAA!!!!! Mach endlich den Wecker aus!!!! Wir sind wach!!!!?
Nunja. Wieder mal bewahrt meine Mutter mich davor den Wecker
endgültig zu überhören.
Ich schalte ihn aus, die Schritte vor der Tür entfernen sich wieder Richtung
Elternschlafzimmer.
03:40:
Hm? der Zug fährt erst um 04:58? eigentlich habe ich noch genug Zeit
mich noch mal gaaaaanz kurz in die warme Decke zu kuscheln. Meinem
Feeling nach müsste ich auf der Stelle tot umfallen, wenn ich sofort
aufstehe. Nur 5 Minuten?
04:10:
Eine Art innere Stimme zwingt mich dazu mich ruckartig im Bett
aufzurichten ? was meine Katze, die auf meinen Füßen liegt, sogleich mit
einem ärgerlichen Maunzen quittiert.
Geschockt schaue ich die Uhr an, und versuche sie mit reiner Willenskraft
dazu zu bringen langsamer zu schlagen. Es misslingt kläglich ? wie immer.
Höhnisch springt der Zeiger eine weitere Minute vor. ?Gnaaaa??
Im trüben Lichtschein meiner Nachtischlampe schauen mich zwei
grün-gelbe Augen vorwurfsvoll an.
?Jaja schlaf weiter, bin schon weg.?
Neidisch schaue ich kurz zu, wie sich die Verräterin behaglich wieder
zusammenrollt.
Gehetzt springe ich in meine Klamotten ? was sich mit einer Hand etwas
schwierig gestaltet, die andere brauche ich zum Zäheputzen?
04:30
Meine Schulbücher in der einen, die Tasche in der anderen Hand renne ich
durch die nächtliche Stille zu meinem Auto. Nichtmal ein Hahn kräht (Recht
hat er).
Auf meinen Lippen hängt das Lied ?Ein guter Tag zum Sterben?. (JBO).
Ich knalle alles auf den Beifahrersitz und beherrsche mich weit genug
nicht mit quietschenden Reifen aus dem Hof zu krachen. 28 Minuten für ca.
25 km bis zum Bahnhof durch die Pampa.
Das ist mehr als fair? /ironie off. Gut das um diese gotteslästerliche Zeit
noch niemand unterwegs ist, der den Verkehr blockiert...
04:45
wüst vor mich hinfluchend überhole ich LKW Nr. 4 auf der engen
Serpentinenstraße.
Ich kanns immer noch schaffen?
Mit einer Geschwindigkeit, die ich hier lieber nicht genau benenne geht?s
in Richtung Cochem ?HBF?. Zum Glück flüchten die Waldtiere schon
kilometerweit vor der geballten Ladung Metal, die aus den Boxen dröhnt.
(in den Ortschaften mach ichs natürlich leiser).
04:57
Ich seh den Zug vom Parkplatz aus am Bahngleis stehen. Keine Zeit mehr
ein Parkticket zu ziehen. Langsam frage ich mich ob der Gemeinde nicht
einfach eine Einzugsermächtigung gewähren soll?
Treppe runter ? Treppe hoch schon bin ich am Bahngleis, die Bücher
wieder in der einen, die Tasche in der andern Hand. Die Fahrkarte
zwischen Kinn und Brustkorb geklemmt.
Der Schaffner kennt mich schon und grinst mir von weitem entgegen?
Ich versuche ihn mit einem genuschelten "Guten Morgen" abzuspeisen.
Rasch gehe ich am Zug entlang in der irrigen Hoffnung ein Raucherabteil
zu entdecken.
?Suchen Sie einen freien Platz??, fragt der Schaffner ironisch.
Kurzzeitig irritiert Blicke ich in den menschenleeren Zug und muss
ebenfalls grinsen.
Ich bin der einzige Fahrgast ? klar, welcher Idiot ist um diese Zeit auch
schon unterwegs?
?Ich geh ja schon?, schieße ich freundlich zurück.
Ich kuschel mich also in eine der gammeligen Sitze (der Zug muss schon
im 2. Weltkrieg ein Oldtimer gewesen sein) und habe endlich Zeit meine
Schultasche zu packen. Fehlt zum Glück nichtmal die Hälfte an Unterlagen
die ich heute brauche, denke ich selbstironisch. Was solls *g*.
Ein Hoch auf die Erfindung des Mp3Players! Die Klänge von
Blutengel ? Welcome to Suicide übertönen halbwegs das brutale
Quietschen und Rappeln des Zuges. Ich schließe kurz die Augen.
06:00
Mr. Grinseschaffner hat es endlich geschafft mich soweit zu wecken, dass
sich der Sinn der Worte ?Sie müssen aussteigen, der Zug endet hier? bis
zu meinem Gehirn durchschlägt.
?Koblenz HBF? prangt das riesige Schild fast vorwurfsvoll direkt vor
meinem Fenster.
Der Mann steht offensichtlich kurz vorm Lachanfall, als ich mich endlich
hochrappel. Wie kann man um die Zeit schon so gut drauf sein???
Mit einem genuschelten ?Sie mich auch? schlurfe ich nach draußen, was
der Mann jetzt tatsächlich mit einem lauten Lachen beantwortet.
?HMPF..?
Noch fünf Minuten bis der Anschlusszug fährt. Genug Zeit noch schnell bei
MC Doof reinzuschauen, also renne ich durch die halbverwaiste Halle.
Offensichtlich habe ich ein unnachahmliches Talent verrafft aus der
Wäsche zu gucken, denn die Frau an der Kasse schenkt mir schon von
weitem ein strahlendes Lächeln. Bevor ich den Mund aufmachen kann,
fragt sie auch schon:
?Guten Morgen! Kaffee?!?
Ich nicke hoffnungsvoll, während die Leute um mich rum das kurze
Gespräch mit einem fröhlich-hämischen Lachen quittieren.
Freundlich vor mich hinlächelnd verlasse ich den Laden. Ein Hoch auf Sarkasmus *GGG*.
Immernoch vor mich hingrinsend hetze ich in den
nächsten Zug und penne weiter.
Hoffentlich werde ich in Köln von selber wach? obwohl Düsseldorf sicher
auch ne schöne Stadt ist
