Der erste , den ich hörte. zu einer Zeit, als der Begriff "Antiwitze" noch nicht bekannt war. Der ist heute natürlich in etlichen Variationen bekannt.
"Ein Pferd geht in eine Bäckerei ..."
[b]"Ich hätte gerne ein 3-Pfund Brot ! "
(Die Verkäuferin):
Möchten Sie ein Weizen- oder Roggenbrot ?"
"Das ist mir wurscht, ich bin mit dem Fahrrad da ! "
[/b]
Damals standen die meisten mit offenen Mund da. Es gab 5 Reaktionen:
- Einige warteten darauf, daß der "Witz" weitererzählt wurde, es ging allerdings nicht weiter. "Weiter ? Wie, weiter ?"
- Ein paar Hörer fingen das Grübeln an, vor allem wenn ein weiterer Zuhörer ihn lustig fand. Warum hatten sie ihn nicht verstanden, dafür jemand anderes ?
"Also, ich glaube, jetzt hab ich es gecheckt: Es handelt sich um die Brotsorte. Ach, ja so ist das. Ja stimmt, die Brotsorte ist gemeint. "
Für eine weitere (mir bekannte) Person war der Casus-Knackus der Gepäckträger des Fahrrades: "Ach ja, dann kann das Pferd ja sein Brot wenigstens mitnehmen. Du, ich glaub der is gut, gell ! " ??
Jemand anderes sah einen Sinn in der Anspielung des Pferdes auf das Fahrrad. Es übe Kritik an der übertechnisierten Welt (George Orwell war damals populär) und weist auf das überflüssige Fahrrad hin, das es selbst ja durch seine Energie und Schnelligkeit mühelos ausstechen kann. Somit eine Art Vorläufer des New Age. Und nostalgische Erinnerungen an die Jahrhundertwende, wo das Pferd noch wirklich hohen Stellenwert besaß?
Wenn man dies alles beherzigt, so war der Witz evtl. doch kein Antiwitz sondern ein echter, der bis heute nicht richtig verstanden wurde.
- Einige ärgerten sich über ihre verschwendete Konzentration und Zeit: "Wo ist denn da die Pointe ? Weit und breit gibt es da keine Pointe ! " "Also das ist doch wirklich nichts weiter als Unsinn. Mein Gott , ist das ein dummes Geschmarr !"
"Also, bitte, wenn Du das nächste Mal einen Witz erzählst, dann einen richtigen. Das ist doch nur blöd, und sonst gar nichts ! "
- Doch einige wenige hatten verstanden. Der "Witz" machte sich über die Aufmerksamkeit des Hörers lustig.
Der selber checken musste, daß es eigentlich gar kein "richtiger" Witz war, den er soeben erzählt bekam. Bei mir dauerte es auch eine Weile, bis ich das gemerkt hatte. Es muss allerdings ziemlich schwer gewesen sein, einen " Antiwitz einfach so zu erfinden. Nicht jedes sinnlose Gerede ist zwangsläufig auch lustig. Das mit dem Pferd und dem Fahrrad war gut aufeinander abgestimmt, finde ich.
- Ich persönlich fand auch, das die Geschichte mit dem Pferd eine kleine Pointe hatte. Es war eine lustige Vorstellung, wie die Verkäuferin jener Bäckerei auf so eine Antwort wohl reagierte. Sie weiß nun absolut nicht, was sie nun tun soll. Läßt sie das Pferd unbedient stehen und wendet sie sich an den nächsten Kunden in der Wartschlange ? Ruft sie ihren Vorgesetzten um Hilfe ? (He he he he he, die arme Verkäuferin) In der Tat ungelöste Fragen ...
In der Schulklasse war der Antiwitz dann auch einige Zeit recht beliebt. Wir hatten einen Deutschlehrer, der oft die belanglosesten Texte zur Interpretation in Prüfungen stellte. Der Typ von "zerstreutem Professor", der A sagt, dabei an B denkt (C auch mit in Betracht zieht), eigentlich aber D meint ...
Wenn jener Deutschlehrer diese Geschichte oder eine ähnliche gekannt hätte, wäre ihm zuzutrauen gewesen, daß er das als schriftliche Prüfung zur Analyse bei einer Schulaufgabe gestellt hätte.
